Berny's Schach-Seiten
http://www.walther-info.de/schach.htm

Meine Art, Schach zu spielen

Als kleiner Junge mußte ich täglich in den Keller, um eine Kanne Heizöl zu holen. Vor dem Keller hatte ich Angst, da ich nicht wußte, welche ungeheuren Dämonen mich dort erwarteten. Diese Angst hatte ich mir dadurch abgewöhnt, daß ich mit Absicht stundenlang in den Keller ging, mich dort versteckte und feststellte, daß da gar nichts Grauenhaftes steckte.

So erging es mir auch beim Schach. Ich erbettelte mir das eine oder andere Remis und vor großen Gegnern hatte ich zuviel Respekt. Irgendwann war es mir egal und ich spielte kompromißlos auf Sieg, selbst wenn ich schlechter stand. Und siehe da, ich machte einen großen Sprung vorwärts. Ich kam in Endspiele, die ich vorher nie zu Gesicht bekam, weil Remis vereinbart wurde.

Jetzt gibt es nur noch Remis, wenn nichts mehr auf dem Brett steht oder ich nicht so gut drauf bin. Das kostet manchen halben Punkt, bringt aber auch einige. Jedenfalls weiß der Gegner, daß er mich 9 mal totschlagen muß, bevor ich nicht mehr zucke.

Es macht riesig Spaß, eine Partie durchzukämpfen. Es ist egal, ob ich dabei gewinne oder verliere (Nicht das Ziel ist wichtig, sondern der Weg zum Ziel. Konfuzius). Meistens stehe ich auch schlechter. Aber da muß man durch. Es ist die gleiche Art, mit der Marathonläufer sich über die Distanz retten. Noch ein Meter und noch ein Meter. Nicht aufgeben. Immer noch nach einer Lösung suchen.

Und oft genug klappt es. Wer innerlich nicht aufgibt, kann eine Partie oft noch kippen lassen. Das ist der Reiz des Spiels.

 

Das Limit ?!

Eine Schallmauer war früher für mich die Ingo 100, inzwischen ist es die magische 2000er DWZ. In der Zwischenzeit denke ich, ich werde sie wohl nicht mehr erreichen, es sei denn, ich würde mich total reinknien, viele Turniere spielen, Eröffnungen büffeln, Vorbereitung mit Chessbase, Training usw. Aber macht es dann auch noch soviel Spaß ?!

Zur Zeit kämpfe ich gegen mein Alter. Bei fast allen Schachspielern macht die Kurve in diesem Lebensabschnitt einen Knick nach unten.  Und ehrlich, manche Partie in den letzten Jahren ging wegen Fehler drauf, die an Alzheimer grenzen.

Mal sehen. Ich werde versuchen, die Kurven Lügen zu strafen.

Schachbund


Stand vom Freitag 9. Februar 2007, erstellt von Bernd Walther